Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Psychological benefits of outdoor physical activity in natural versus urban environments: A systematic review and meta-analysis of experimental studies zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2022 veröffentlicht. Sie stammt von Claire Wicks und drei weiteren Forschenden von der Universität Essex in Großbritannien.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Wer Sport macht, dem geht es danach psychisch besser. Das haben vergangene Studien gezeigt. Es könnte dabei einen Unterschied machen, wo wir Sport machen. Das zeigen einzelne Studien. Vor allem Sport in der freien Natur scheint demnach gut für unser psychisches Wohlbefinden zu sein. Das ist aber noch nicht endgültig geklärt.
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Hängt Sport in der Natur mit einem höheren psychischen Wohlbefinden zusammen als Sport in der Stadt?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien, in denen der Einfluss von Sport in der freien Natur mit dem Einfluss von Sport in der Stadt verglichen wurde. Die Teilnehmenden mussten mindestens 18 Jahre alt und psychisch gesund sein.
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden insgesamt 9 Studien, deren Ergebnisse sie zu einer Metaanalyse zusammenfassen konnten.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 9 Studien schauten die Forschenden, wie sich Sport in der Natur im Vergleich zu Sport in der Stadt auf sechs verschiedene psychologische Merkmale auswirkt. Sie untersuchten positive Merkmale wie das Gefühl von Lebendigkeit und negative Merkmale wie Depressivität.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Folgende Merkmale haben die Forschenden untersucht:
- In welcher Umgebung Sport gemacht wurde
- In der Natur
- In der Stadt
- Psychisches Wohlbefinden
- Positive Merkmale
- Positive Stimmung
- Gefühl von Lebendigkeit und Energie
- Negative Merkmale
- Erschöpfung
- Depressivität
- Wut
-
Ängstlichkeit
- Positive Merkmale
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
- Wer Sport in der Natur machte, fühlte sich danach weniger depressiv als Personen, die Sport in der Stadt machten. Die Effektstärke
Cohens d betrug für diesen Unterschied 0.34, was einem kleinen Unterschied entspricht. Umgerechnet bedeutet dies: 63 von 100 Personen waren weniger depressiv, nachdem sie in der Natur Sport machten, als eine durchschnittliche Person, die in der Stadt Sport gemacht hat. - Wer Sport in der Natur machte, war danach weniger wütend. Die Effektstärke Cohens d betrug 0.57, was einem mittelgroßen Unterschied entspricht. Umgerechnet bedeutet dies: 71 von 100 Personen waren weniger wütend, nachdem sie in der Natur Sport machten, als eine durchschnittliche Person, die in der Stadt Sport gemacht hat.
- Wer Sport in der Natur machte, fühlte sich danach weniger erschöpft. Die Effektstärke Cohens d betrug für diesen Unterschied 1.98, was einem großen Unterschied entspricht. Umgerechnet bedeutet dies: 97 von 100 Personen waren weniger erschöpft, nachdem sie in der Natur Sport machten, als eine durchschnittliche Person, die in der Stadt Sport gemacht hat.
- Wer Sport in der Natur machte, war danach weniger ängstlich. Die Effektstärke Cohens d betrug 6.59, was einem großen Unterschied entspricht. Umgerechnet bedeutet dies: Fast alle Personen waren weniger ängstlich, nachdem sie in der Natur Sport machten, als eine durchschnittliche Person, die in der Stadt Sport gemacht hat.
- Wer Sport in der Natur machte, war danach positiver gestimmt. Die Effektstärke Cohens d betrug 0.59, was einem mittelgroßen Unterschied entspricht. Umgerechnet bedeutet dies: 72 von 100 Personen waren positiver gestimmt, nachdem sie in der Natur Sport machten, als eine durchschnittliche Person, die in der Stadt Sport gemacht hat.
- Wer Sport in der Natur machte, fühlte sich danach lebendiger. Die Effektstärke Cohens d betrug 3.28, was einem großen Unterschied entspricht. Umgerechnet bedeutet dies: 99 von 100 Personen fühlten sich lebendiger, nachdem sie in der Natur Sport machten, als eine durchschnittliche Person, die in der Stadt Sport gemacht hat.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurde ein Unterschied in der Auswirkung von Sport in der Natur und in der Stadt auf das psychische Wohlbefinden gefunden. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es diesen Unterschied gibt. Man kann aber nicht sicher sagen, dass die sportliche Aktivität in der Natur auch die Ursache für das bessere psychische Wohlbefinden ist.
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
- Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
- Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden berechneten nicht, ob es Hinweise auf solche Verzerrungen gibt. Ob die Unterschiede zwischen Sport in der Natur und in der Stadt tatsächlich kleiner sind als in dieser Übersichtsarbeit berechnet, bleibt damit unklar.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Die Ergebnisse der einzelnen Studien waren sehr verschieden. Das Ergebnis der Metaanalyse ist dadurch unsicher. Außerdem untersuchten die Studien hauptsächlich Studierende. Dadurch lassen sich die Ergebnisse nicht auf alle Personengruppen übertragen. Bei den Sportarten handelte es sich nur um Laufen oder Joggen. Deshalb sind die Ergebnisse nicht auf verschiedene Sportarten übertragbar.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Forschenden machen keine direkten Angaben zum Alltagsbezug. Sie kommen aber zu dem Schluss, dass Sport in der Natur einen wichtigen Beitrag für das psychische Wohlbefinden leisten kann. Sie schlagen deshalb vor, Sport in der Natur aktiv zu fördern. Zum Beispiel könne man mehr Grünflächen in der Stadtplanung berücksichtigen.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Erstellung der Übersichtsarbeit wurde durch ein Stipendium der Universität Essex finanziert.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden machen keine Angaben dazu, ob bei ihnen ein