Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Facial emotion recognition in major depressive disorder: A meta-analytic review zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2021 veröffentlicht. Sie stammt von Fernando C. Krause und drei weiteren Forschenden von der Adelphi Universität Garden City in den USA und zwei weiteren Institutionen in den USA.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Studien haben gezeigt, dass es Menschen mit
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: 1) Können Menschen mit Depressionen Gefühle in Gesichtsausdrücken schwerer erkennen als psychisch Gesunde? 2) Gibt es weitere Merkmale, die den Zusammenhang zwischen Depressionen und dem Erkennen von Gefühlen verstärken oder abschwächen?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien aus den Jahren von 1986 bis 2018, in denen ein Zusammenhang zwischen
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden haben 23 Studien gefunden, deren Ergebnisse sie zu einer Metaanalyse zusammenfassen konnten. Insgesamt wurden die Ergebnisse von 1 130 Teilnehmenden untersucht. 514 waren davon Menschen mit Depressionen, 614 waren psychisch gesunde Menschen. Die Studien stammten aus verschiedenen Ländern, hauptsächlich aus den USA.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 23 Studien schauten die Forschenden, ob sich Menschen mit und ohne Depressionen darin unterscheiden, wie gut sie die Gefühlsausdrücke in Gesichtern erkennen können. Sie sahen sich außerdem an, ob es bestimmte Merkmale gibt, bei denen der Unterschied größer oder kleiner wird. Ein solches Merkmal konnte zum Beispiel die Schwere der Depression sein.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Folgende Merkmale haben die Forschenden unter anderem untersucht:
-
Haben die Menschen eine
Depression ? -
Häufigkeit, mit der Personen die Gefühle richtig erkannt haben
- niedrig bis hoch
Weitere Merkmale:
-
Schwere der Depression
- mild oder schwer
-
Art der gezeigten
Basisemotion - zum Beispiel Freude, Wut, Ärger
-
Geschlecht
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
- Menschen mit
Depressionen waren insgesamt schlechter darin, Gefühle in Gesichtern zu erkennen als gesunde Personen.Hedges g betrug 0.21. Das entspricht einem kleinen bis mittelgroßen Unterschied zwischen depressiven und gesunden Personen. - Menschen mit schweren Depressionen waren schlechter darin, Gefühle in Gesichtern zu erkennen als Menschen mit mittelschweren Depressionen. Hedges g betrug für schwere Depressionen 0.47, was einem mittelgroßen Unterschied zu gesunden Probanden entspricht. Für mittelschwere Depressionen betrug Hedges g 0.14, was einem kleinen Unterschied zu gesunden Personen entspricht.
- Besonders groß waren die Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Depressionen, wenn in den Gesichtern Freude gezeigt wurde. Menschen mit Depressionen konnten diese schlechter erkennen als gesunde Menschen. Hedges g betrug 0.25, was einem kleinen bis mittelgroßen Unterschied entspricht. Bei traurigen oder angeekelten Gesichtern war der Unterschied kleiner. Hier betrug Hedges g 0.10, was einem kleinen Unterschied entspricht.
- Zwischen Männern und Frauen waren die Unterschiede nicht bedeutsam.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
Die Übersichtsarbeit fand heraus, dass Menschen mit
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
» Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
» Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden keine Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie nehmen deshalb an, dass der Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Depressionen im Erkennen von Gefühlen tatsächlich ähnlich groß ist wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Die Ergebnisse der einzelnen Studien waren sehr verschieden. Das Ergebnis der Übersichtsarbeit ist dadurch unsicher. Außerdem gibt es viele weitere Merkmale, wie zum Beispiel das Alter oder Medikamente, die die Ergebnisse beeinflussen könnten. Diese wurden aber nicht berücksichtigt. Man kann auch nicht sagen, ob das schlechtere Erkennen von Gefühlen bei Menschen mit Depressionen immer besteht oder nur während einer depressiven Phase.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Forschenden schließen aus den Ergebnissen, dass die Wahrnehmung und Verarbeitung von Gefühlen bei Menschen mit
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Einer der Forschenden wurde durch Forschungsgelder von verschiedenen US-amerikanischen öffentlichen Programmen zur Förderung der Wissenschaft finanziert.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine