Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Spotting false news and doubting true news: A systematic review and meta-analysis of news judgements zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2025 veröffentlicht. Sie stammt von Jan Pfänder und Sacha Altay von Universitäten in Paris und Zürich.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Angesichts der großen Menge an Nachrichten, die Menschen täglich zum Beispiel online begegnen, fällt es oft schwer, wahre von falschen Nachrichten zu unterscheiden. Forschende weisen jedoch darauf hin, dass viele Menschen auch wahren Nachrichten misstrauen. Daher ist es wichtig zu prüfen, ob Menschen eher zu misstrauisch gegenüber wahren Nachrichten oder zu leichtgläubig gegenüber falschen Nachrichten sind.
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: 1) Wie gut können Menschen zwischen wahren und falschen Nachrichten unterscheiden? 2) Wie gut können Menschen wahre Nachrichten als richtig und Falschnachrichten als falsch erkennen?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien , die die Fähigkeiten untersuchten, zwischen wahren und falschen Nachrichten zu unterscheiden, sowie das Misstrauen gegenüber beiden verglichen. Die Studien mussten echte Nachrichtenartikel verwenden.
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden insgesamt 67 Studien aus den Jahren 2018 bis 2024, deren Ergebnisse sie mit einer Metaanalyse zusammenfassen konnten. Insgesamt sind das Studienergebnisse von 194 438 Menschen aus 40 verschiedenen Ländern, überwiegend aus den USA und Europa.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 67 Studien schauten die Forschenden, ob Menschen wahre Nachrichten von Falschnachrichten unterscheiden konnten. Zudem schauten sie, wie misstrauisch Menschen gegenüber wahren und falschen Nachrichten waren.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Die Forschenden untersuchten folgende Merkmale:
- Urteilsvermögen
- Teilnehmende bewerteten wahre und falsche Nachrichtenartikel: Sind sie wahr oder falsch?
- Misstrauen
- Inwiefern neigen Teilnehmende dazu, wahre Nachrichten anzuzweifeln oder falsche Nachrichten zu glauben?
- Merkmale der Nachrichten
- Übereinstimmung mit der eigenen politischen Haltung
- Thema
- Format
- Angabe der Quelle
- Merkmale der Teilnehmenden
- Herkunftsland
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
- Menschen konnten wahre von falschen Nachrichten unterscheiden und schätzten wahre Nachrichten eher als richtig ein als Falschnachrichten. Die
Effektstärke Cohens d , ein statistisches Maß für Unterschiede, betrug 1.12. Das ist ein großer Unterschied. Umgerechnet bedeutet das: in 87 von 100 Fällen bewerteten Personen wahre Nachrichten eher als richtig als Falschnachrichten. - Menschen waren besser darin, Falschnachrichten als falsch zu erkennen, als wahre Nachrichten als richtig einzuschätzen. Die Effektstärke Cohens d betrug 0.32. Das ist ein kleiner Unterschied. Umgerechnet bedeutet das: In 63 von 100 Fällen waren Personen eher misstrauischer gegenüber wahren Nachrichten, als dass sie falschen Nachrichten glaubten.
- Die politische Übereinstimmung hatte keinen bedeutsamen Einfluss auf die Unterscheidungsfähigkeit. Sie wirkte sich jedoch auf das Misstrauen aus: Die Teilnehmenden waren gegenüber Nachrichten, die nicht ihrer eigenen politischen Haltung entsprachen, misstrauischer.
- Das Land der Teilnehmenden hatte einen Einfluss auf den Unterschied. Teilnehmende aus den USA konnten etwas besser zwischen wahren und falschen Nachrichten unterscheiden als Menschen aus anderen Ländern. Hinsichtlich des Misstrauens zeigte sich kein bedeutsamer Einfluss.
- Das Nachrichtenformat hatte keinen Einfluss auf das Urteilsvermögen, allerdings auf das Misstrauen. Nachrichten mit Bild oder Vorspann führten zu einem etwas größeren Misstrauen als Nachrichten mit reinen Textüberschriften.
- Die Angabe einer Nachrichtenquelle und das Nachrichtenthema hatten keinen bedeutsamen Einfluss auf Urteilsvermögen und Misstrauen.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden Unterschiede in dem Urteilsvermögen und Misstrauen gegenüber wahren und falschen Nachrichten beobachtet. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es diese Unterschiede gibt. Man kann aber nicht sagen, ob die Art der Nachrichten selbst die Ursache dafür ist oder ob noch andere Merkmale eine Rolle spielen.
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
- Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
- Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden Hinweise auf solche Verzerrungen hinsichtlich des Urteilsvermögens. Sie nehmen deshalb an, dass der Unterschied in dem Urteilsvermögen tatsächlich kleiner ist als in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Die Teilnehmenden bewerteten die Nachrichten in einem Experiment und nicht in einer natürlichen Umgebung. Allein die Aufforderung, die Richtigkeit der Nachrichten zu bewerten, könnte die Aufmerksamkeit darauf gelenkt haben. Außerdem könnte die Auswahl der Nachrichten durch die Forschenden sich auf die Ergebnisse auswirken.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Forschenden betonen, dass Menschen wahre und falsche Nachrichten erkennen können, wenn sie darauf achten. Man sollte Nachrichten kritisch prüfen, um tatsächlich verlässliche Informationen besser zu erkennen und ihnen eher zu vertrauen.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Übersichtsarbeit wurde von der Universität Zürich gefördert. Ein Forschender erhielt zudem Fördermittel von der französischen Nationalen Forschungsagentur. Ein anderer Forschender wurde vom Europäischen Forschungsrat unterstützt. Das sind öffentliche Einrichtungen, die wissenschaftliche Projekte fördern.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine