Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Valence framing effects on moral judgments: A meta-analysis zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2021 veröffentlicht. Sie stammt von Kelsey McDonald und vier weiteren Forschenden von der Universität Duke und der Universität Pennsylvania aus den USA.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Ein moralisches Urteil zu fällen bedeutet, eine Sachlage als moralisch richtig oder falsch zu bewerten. Oft fällen wir solche Urteile spontan. Daraus schlussfolgern manche, dass das Urteil zuverlässig ist. Wird ein bestimmter Aspekt betont oder eine bestimmte Deutung gefördert, nennt man das
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Unterscheiden sich moralische Urteile, wenn positives Framing im Vergleich zu negativem Framing verwendet wird?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien, in denen die gleiche Sachlage sowohl positiv als auch negativ dargestellt wurde. Zum Beispiel: “Der Impfstoff rettet 80% der Bevölkerung” (positives
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden 109 Studien mit insgesamt 49 564 Teilnehmenden.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 109 Studien schauten die Forschenden, ob sich moralische Urteile unterscheiden, je nachdem, ob positives oder negatives Framing verwendet wurde. Außerdem untersuchten sie, ob dabei der Inhalt der Sachlage, die Zusammensetzung der Teilnehmenden, oder ob Studien online oder offline stattfanden, eine Rolle spielt.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Die Forschenden haben folgende Merkmale untersucht:
- Framing
- Wird die Sachlage positiv oder negativ dargestellt?
- Positiv, zum Beispiel: “Das Programm wird 40% der Menschen retten.”
- Negativ, zum Beispiel: “Trotz des Programms werden 60% der Menschen sterben.”
- Wird die Sachlage positiv oder negativ dargestellt?
- Moralisches Urteil
- Bewerten die Teilnehmenden die Sachlage als moralisch richtig oder falsch?
- Weitere Merkmale der Studien oder Teilnehmenden, wie zum Beispiel:
- Betrifft die Sachlage das Thema “Leben gegen Tod”?
- Ja, zum Beispiel Menschenleben zu retten oder zu verlieren
- Nein, zum Beispiel Geld gewinnen oder verlieren
- Findet die Studie online oder offline statt?
- Sind die Teilnehmenden ausschließlich Studierende?
- Betrifft die Sachlage das Thema “Leben gegen Tod”?
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
- Die moralischen Urteile der Teilnehmenden unterschieden sich zwischen den positiven und negativen
Framings . Die EffektstärkeCohens d betrug hier d = 0.22. Das ist ein kleiner Unterschied. Das bedeutet, dass 59% der Personen bei positivem Framing ein anderes moralisches Urteil fällten als eine durchschnittliche Person bei negativem Framing. - Die Forschenden fanden heraus, dass sich die Merkmale der Studien oder Teilnehmenden nicht bedeutsam auf diesen Unterschied auswirkten. Egal, ob in der Sachlage Leben und Tod thematisiert wurde oder ein anderes Thema, ob die Gruppe der Teilnehmenden aus Studierenden oder Nicht-Studierenden bestand, oder ob die Studien online oder offline durchgeführt wurden - der Unterschied blieb immer ähnlich groß.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurde der Unterschied in moralischen Urteilen zwischen positivem und negativem Framing untersucht. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es diesen Unterschied gibt. Man kann aber nicht mit Sicherheit sagen, dass das Framing auch Ursache für den Unterschied in den moralischen Urteilen ist.
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
- Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
- Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie haben sich bemüht, diese Verzerrungen zu berücksichtigen. Sie nehmen deshalb an, dass der Unterschied in den moralischen Urteilen zwischen positivem und negativem Framing auch ähnlich groß ist wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken, dass ihre Übersichtsarbeit keine Antworten zu individuellen Unterschieden beim Einfluss von Framing auf moralische Urteile gibt. Ob zum Beispiel die Persönlichkeit oder das Alter eine Rolle spielt, ist unklar. Außerdem unterscheiden sich die berücksichtigten Studien in ihren Methoden, was das Zusammenfassen der Ergebnisse erschwert.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Ergebnisse zeigen, dass die gleiche Sachlage zu unterschiedlichen moralischen Urteilen führen kann, je nachdem, ob sie mit einem positiven oder negativen Framing dargestellt wird. Die Forschenden schlussfolgern daher, dass man sich bei moralischen Fragen nicht immer auf die Intuition verlassen kann. Deshalb bezweifeln die Forschenden, dass moralische Urteile zuverlässig sind. Sie betonen, dass das Wissen über die verschiedenen Effekte von Framing für manche Berufsgruppen wichtig ist. Zum Beispiel sollten Ärzte und Ärztinnen darüber Bescheid wissen, dass die Art und Weise, wie sie verschiedene Therapien präsentieren, beeinflussen könnte, ob sich Patient:innen für oder gegen eine Therapie entscheiden.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Erstellung der Übersichtsarbeit wurde durch Forschungsstiftungen der Universität Duke und der John-Templeton-Stiftung finanziell unterstützt.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden machen keine Angaben dazu, ob bei ihnen ein