Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Caffeine intake and anxiety: A meta-analysis zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2024 veröffentlicht. Sie stammt von Chen Liu und sechs weiteren Forschenden von der Universität Xuzhou in China.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Für viele Menschen gehört der tägliche Kaffee fest zum Alltag. Studien haben gezeigt, dass das darin enthaltene Koffein nicht nur wach macht, sondern auch Nebenwirkungen haben kann. Menschen, die hohe Mengen an Koffein zu sich nehmen, berichten beispielsweise von Unruhe, Nervosität und Angstzuständen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht immer eindeutig.
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Empfinden Menschen nach Koffeinkonsum mehr Angst als Personen, die kein Koffein konsumiert haben?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien bis Dezember 2022, die untersuchten, ob es zwischen Personen, die Koffein zu sich nahmen und Personen, die kein Koffein konsumierten, einen Unterschied in der empfundenen Angst gibt. Die Teilnehmenden mussten psychisch gesund sein.
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden haben 8 Studien mit 546 Teilnehmenden gefunden, deren Ergebnisse sie zu einer Metaanalyse zusammenfassen konnten. Die Studien stammten aus Europa, Amerika, Tunesien und Korea. In 7 der 8 Studien wurden die Personen zufällig einer Gruppe, die Koffein zu sich nahm oder einer Gruppe, die kein Koffein zu sich nahm, zugeordnet. In der Regel wussten die Teilnehmenden nicht, welcher Gruppe sie angehörten. Die Koffein-Gruppe komsumierte zwischen 100 und 460 mg Koffein. Das entspricht etwa 250 bis 1000 ml Filterkaffee.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 8 Studien schauten die Forschenden, wie sich Personen, die viel Koffein zu sich nahmen, von Personen, die wenig oder gar kein Koffein zu sich nahmen, hinsichtlich der empfundenen Angst unterschieden. Die Angst wurde mit wissenschaftlich anerkannten Fragebögen erfasst.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Folgende Merkmale haben die Forschenden untersucht:
- Haben die Personen Koffein konsumiert?
- ja oder nein
- Menge des Koffeins
- wenig (weniger als 400mg oder etwa ein Liter Filterkaffee pro Tag) vs. viel (mehr als 400mg pro Tag)
- empfundene Angst, gemessen über Fragebögen
- niedrig bis hoch
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
- Insgesamt berichteten Personen, die Koffein konsumierten, von stärkeren Ängsten als Personen, die kein Koffein konsumierten. Die
standardisierte Mittelwertsdifferenz SMD betrug 0.94, was einem großen Unterschied zwischen den beiden Gruppen entspricht. Umgerechnet auf 100 Personen bedeutet dies: 82 Personen, die Koffein konsumierten, empfanden mehr Angst als der Durchschnitt der Personen, die kein Koffein zu sich nahmen. Dabei war die Menge des Koffeins entscheidend. Bei Personen, die hohe Mengen an Koffein konsumierten, war der Unterschied größer als bei Personen, die geringe Mengen konsumierten: - Für Personen, die hohe Mengen an Koffein konsumierten, betrug die SMD 2.86. Das entspricht einem sehr großen Unterschied zu Personen, die kein Koffein konsumierten.
- Für Personen, die wenig Koffein zu sich nahmen, betrug die SMD 0.61. Das entspricht einem mittelgroßen Unterschied zu Personen, die kein Koffein konsumierten.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden Unterschiede hinsichtlich der empfundenen Angst zwischen Personen, die Koffein zu sich nahmen und einer
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
- Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das bedeutet, uneindeutige Ergebnisse werden seltener veröffentlicht und fließen daher auch seltener in Übersichtsarbeiten ein. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
- Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden keine Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie nehmen deshalb an, dass die Unterschiede in der Angst zwischen Personen, die Koffein zu sich nahmen und Personen, die kein Koffein konsumierten, ähnlich groß sind wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Insgesamt gab es nur wenige Studien, die ihre Forschungsfrage untersucht haben. Außerdem waren die Ergebnisse zwischen den Studien sehr verschieden, wodurch die Ergebnisse unsicherer sind.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Forschenden schließen aus den Ergebnissen, dass vor allem hohe Mengen an Koffein das Risiko für Angstzustände erhöhen können. Sie empfehlen, nicht mehr als 400mg Koffein am Tag zu sich zu nehmen. Das entspricht höchstens etwa einem Liter Filterkaffee. Bei manchen psychischen Störungen kann es außerdem sinnvoll sein, die Menge an Koffein einzuschränken, um Nebenwirkungen wie stärkere Angst zu verhindern.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Erstellung der Übersichtsarbeit wurde nicht durch Dritte, zum Beispiel Stiftungen oder Unternehmen, finanziell gefördert oder unterstützt.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine