Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Time Spent on Social Media and Risk of Depression in Adolescents: A Dose–Response Meta-Analysis zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2022 veröffentlicht. Sie stammt von Mingli Liu und fünf weiteren Forschenden von der Universität für Wissenschaft und Technologie Hunan und fünf weiteren Instituten aus China und den USA.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Soziale Medien bieten Jugendlichen viele Chancen, etwa Kontakte und Freundschaften weltweit zu pflegen. Gleichzeitig ist umstritten, wie sich die Nutzung auf die psychische Gesundheit auswirkt. In den letzten Jahren haben sowohl die Nutzung als auch
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: 1) Wie hängt die Zeit, die Jugendliche in sozialen Medien verbringen, mit ihrem Risiko, eine Depression zu bekommen, zusammen? 2) Wird dieser Zusammenhang von bestimmten Merkmalen beeinflusst, zum Beispiel dem Geschlecht der Jugendlichen?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien , die den Zusammenhang zwischen der Zeit, die Jugendliche in sozialen Medien verbringen, und dem Risiko für eine
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden insgesamt 26 Studien aus den Jahren 2014 bis 2021, deren Ergebnisse sie mit einer Metaanalyse zusammenfassen konnten. Insgesamt sind das Studienergebnisse von 55 340 Jugendlichen aus Europa, Nordamerika, Asien, Brasilien und Australien.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 26 Studien schauten die Forschenden, wie die Zeit, die Jugendliche in sozialen Medien verbringen, mit dem Risiko für eine Depression zusammenhängt.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Die Forschenden untersuchten unter anderem folgende Merkmale:
- Soziale Mediennutzung
- Erfasst durch Selbstauskünfte über die täglich in sozialen Medien verbrachte Zeit
-
Depression - Überwiegend durch wissenschaftlich anerkannte Fragebögen erfasst
- Merkmale der Jugendlichen
- Geschlecht
- Alter
- Merkmale der Studien
- Region der Studie
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
- Jugendliche, die mehr Zeit in sozialen Medien verbrachten, hatten ein höheres Risiko, an einer
Depression zu erkranken. Die EffektstärkeOdds Ratio lag bei 1.60. Das bedeutet: Das Risiko für eine Depression war für Jugendliche, die soziale Medien häufiger nutzten, etwa 1.6-mal höher. - Der Zusammenhang war bei Mädchen mit einer Odds Ratio von 1.72 stärker ausgeprägt als bei Jungen, bei denen die Odds Ratio 1.20 betrug. Das bedeutet: Mädchen hatten ein etwa 1.4-mal höheres Risiko, bei häufiger Nutzung sozialer Medien eine Depression zu entwickeln als Jungen.
- Das Risiko für eine Depression stieg pro zusätzlicher Stunde in sozialen Medien an. Die Effektstärke Odds Ratio betrug 1.13. Das bedeutet, dass pro zusätzlicher Stunde das Risiko, eine Depression zu entwickeln, um 13 % anstieg.
- Andere Merkmale wie das Alter der Jugendlichen oder die Region der Studie hatten keinen bedeutsamen Einfluss auf diesen Zusammenhang.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurde ein Zusammenhang zwischen der Zeit, die Jugendliche in sozialen Medien verbringen, und dem Risiko für eine
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
- Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
- Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden überwiegend keine Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie nehmen deshalb an, dass der Zusammenhang zwischen der häufigen Mediennutzung und dem höheren Risiko für eine Depression tatsächlich ähnlich groß ist wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Die Jugendlichen gaben die Zeit, die sie in sozialen Medien verbrachten, selbst an. Dadurch könnten sie ihre Nutzung unter- oder überschätzt haben. Außerdem stammen die meisten Studien aus Europa und Nordamerika, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränkt. Offen bleibt zudem, welchen Einfluss weitere Faktoren, etwa die körperliche Aktivität, auf die Ergebnisse hatten.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Forschenden betonen, dass Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte beim Umgang mit sozialen Medien aufmerksam sein sollten, denn lange Nutzungszeiten können das Risiko für eine
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Erstellung der Übersichtsarbeit wurde durch die Forschungsstiftung des Bildungsbüros Hunan finanziert. Das ist eine staatliche Einrichtung zur Förderung von Forschungsprojekten in China.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine