Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Self–Other Agreement in Personality Reports: A Meta-Analytic Comparison of Self- and Informant-Report Means zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2019 veröffentlicht. Sie stammt von Hyunji Kim und zwei weiteren Forschenden von der Universität York in Kanada und zwei weiteren Instituten aus Kanada und Australien.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Menschen beurteilen im Alltag sowohl andere als auch sich selbst. Dabei geht es oft auch um
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: 1) Schätzen Menschen sich in den
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien, die die
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden insgesamt 117 Studien aus den Jahren 1952 bis 2016, deren Ergebnisse sie mit einer Metaanalyse zusammenfassen konnten. Insgesamt sind das Studienergebnisse von 33 033 Personen.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 117 Studien schauten die Forschenden, wie sich die Selbsteinschätzungen der Persönlichkeitseigenschaften von den Fremdeinschätzungen unterschieden und wie stark die einzelnen Eigenschaften als positiv oder negativ bewertet wurden.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Die Forschenden untersuchten folgende Merkmale:
-
Fünf Hauptmerkmale der Persönlichkeit - Als Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung erfasst
-
Neurotizismus -
Extraversion -
Gewissenhaftigkeit -
Offenheit für Erfahrungen -
Verträglichkeit
-
- Als Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung erfasst
- Nähe zur einschätzenden Person
- nahestehende Person: Familienmitglied, Partner:in, Freund:in, Arbeitskolleg:in
- fremde Person
- Merkmale der Persönlichkeitseigenschaften
- Wie stark eine Eigenschaft positiv oder negativ bewertet wird
- Wie gut eine Eigenschaft von außen beobachtbar ist
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
- Bei
Neurotizismus ,Gewissenhaftigkeit ,Extraversion undVerträglichkeit fielen die Fremdeinschätzungen jeweils etwas positiver aus als die Selbsteinschätzungen. Die EffektstärkeCohens δ betrug zwischen 0.03 und 0.15. Das sind sehr kleine Unterschiede. Umgerechnet auf 100 Personen bedeutet dies: Zwischen 51 und 56 von 100 Fremdeinschätzungen lagen über dem Durchschnitt der Selbsteinschätzungen. - Bei
Offenheit für Erfahrungen fielen allerdings die Selbsteinschätzungen leicht positiver aus als die Fremdeinschätzungen. Die Effektstärke Cohens δ betrug 0.25. Das ist ein kleiner Unterschied. Umgerechnet auf 100 Personen bedeutet dies: 60 von 100 Selbsteinschätzungen lagen über dem Durchschnitt der Fremdeinschätzungen. - Die Nähe der einschätzenden Person hatte einen Einfluss auf diesen Unterschied. Die Fremdeinschätzungen durch nahestehende Personen waren etwas positiver als die Selbsteinschätzungen. Einschätzungen gänzlich fremder Personen fielen hingegen deutlich negativer aus als Selbsteinschätzungen.
- Der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdeinschätzungen war etwas größer bei Eigenschaften, die besonders positiv oder negativ bewertet wurden, wie Gewissenhaftigkeit oder Neurotizismus. Dagegen waren die Unterschiede kleiner bei gut beobachtbaren Eigenschaften wie Extraversion.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden Unterschiede zwischen den Selbst- und Fremdeinschätzungen der
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
- Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
- Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden keine Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie nehmen deshalb an, dass die Unterschiede zwischen den Selbst- und Fremdeinschätzungen tatsächlich ähnlich groß sind wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Die Studien unterschieden sich zum Teil deutlich voneinander. In manchen Studien beurteilten Freund:innen oder Familienmitglieder die Persönlichkeit, in anderen waren es Kolleg:innen oder Fremde. Solche Unterschiede könnten die Ergebnisse beeinflusst haben.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Im Alltag schätzen wir uns selbst und andere Menschen ständig ein. Diese Einschätzungen beeinflussen unser Zusammenleben, etwa in Freundschaften oder am Arbeitsplatz. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Selbst- und Fremdeinschätzungen der Persönlichkeit meist eng übereinstimmen. Daher können wir im täglichen Miteinander in der Regel auf diese Einschätzungen vertrauen.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Ein Forschererhielt einen Zuschuss des Kanadischen Forschungsrats für Sozial- und Geisteswissenschaften. Das ist eine staatliche Einrichtung, die Forschungsprojekte finanziell unterstützt.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine