Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel The effectiveness of pre-performance routines in sports: a meta-analysis zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2024 veröffentlicht. Sie stammt von Anton G. O. Rupprecht und zwei weiteren Forschenden von der Universität Wien.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Viele Sportler:innen nutzen feste Abläufe, bevor sie eine sportliche Leistung ausführen. Zum Beispiel prellen sie den Ball vor einem Wurf oder Aufschlag oder sie atmen tief durch. Solche Routinen helfen, den Fokus zu finden und Bewegungen sicherer auszuführen. Es gibt Trainings zum Erlernen solcher Routinen, in denen die Teilnehmenden entweder selbst eine Routine entwickeln oder eine vorgegebene Routine einüben. Bisherige Forschung deutet darauf hin, dass Routinen die Leistung sowohl in Drucksituationen als auch in Situationen mit geringer Belastung verbessern können. Bisher fehlte jedoch eine umfassende Übersicht darüber, wie wirksam diese Routinen wirklich sind und für wen sie besonders hilfreich sein könnten.
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: 1) Wie gut helfen Trainings für sportliche Routinen dabei, die sportliche Leistung zu verbessern? 2) Beeinflussen Merkmale der Routine oder der Sportler:innen diese Wirkung?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien, die untersuchten, wie gut ein Training, durch das Sportler:innen eine Routine erlernen, dabei hilft, die sportliche Leistung zu verbessern. Die Routine sollte unmittelbar vor der Durchführung der sportlichen Leistung ausgeführt werden. Die Studien mussten die Leistung entweder vor und nach dem Training erfassen oder diese mit einer
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden insgesamt 33 Studien aus den Jahren 1986 bis 2020. Aus diesen Studien konnten sie 112 Ergebnisse von Sportler:innen mit einer Metaanalyse zusammenfassen.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 33 Studien schauten die Forschenden, wie gut Trainings für Routinen im Sport dabei helfen, die sportliche Leistung zu verbessern.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Die Forschenden untersuchten folgende Merkmale:
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Sportliche Leistung in verschiedenen Sportarten
- gemessen vor und nach der Maßnahme, mit der die Routine vermittelt wurde oder gemessen zwischen Sportler*innen mit und ohne Routine
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Niedriger oder hoher Druck
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Merkmale der Routine, zum Beispiel ob sie an die Person angepasst war
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Merkmale der Sportler:innen, zum Beispiel Geschlecht, Alter oder Leistungsniveau
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
- Sportler:innen, die an einem Training für Routinen teilnahmen und dieses vor ihrer sportlichen Leistung durchführten, verbesserten ihre Leistung. Die
standardisierte Mittelwertveränderung SMC betrug 0.31. Das ist eine kleine Verbesserung der Leistung im Vergleich dazu, bevor die Sportler:innen die Routine gelernt und angewendet haben. - Sportler:innen, die an einem Training teilnahmen, zeigten bessere Leistung unter niedrigem Druck als Sportler:innen ohne Routine.
Hedges g betrug 0.64. Das ist ein mittelgroßer Unterschied zwischen Sportler:innen, die eine Routine hatten und solchen ohne Routine. - Sportler:innen, die an einem Training teilnahmen, zeigten ebenfalls bessere Leistung unter hohem Druck als Sportler:innen ohne Routine. Hedges g betrug 0.70. Das ist ein mittelgroßer Unterschied zwischen Sportler*innen, die eine Routine hatten und solchen ohne Routine.
- Weder die Merkmale der Routine noch die Merkmale der Sportlerinnen und Sportler hatten einen bedeutsamen Einfluss auf diese Unterschiede.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden Unterschiede zwischen der sportlichen Leistung vor und nach der ausgeführten Routine sowie zwischen Sportler:innen mit und ohne Routine beobachtet. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es diese Unterschiede gibt. Man kann aber nicht sicher sagen, dass die Routine auch die Ursache für die bessere sportliche Leistung ist.
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
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Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
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Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden keine Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie nehmen deshalb an, dass die Unterschiede in der sportlichen Leistung tatsächlich ähnlich groß sind wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Für Routinen unter Druck gab es nur wenige Studien, sodass unklar bleibt, wie gut sie in echten Wettkampfsituationen funktionieren. Außerdem wurden überwiegend junge und männliche Sportler untersucht, weshalb offen ist, ob die Ergebnisse auch für andere Personengruppen gelten. Die meisten Studien betrachteten nur kurzfristige Wirkungen, sodass unklar ist, wie lange eine Routine tatsächlich wirkt. Zudem wurden die Erfahrungen und Sichtweisen der Sportler:innen nicht einbezogen. Daher weiß man nicht, wie diese die Ergebnisse beeinflusst haben.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Forschenden betonen, dass eine Routine vor einer sportlichen Handlung die Leistung verbessern kann. Sportler:innen jeden Alters, Geschlechts und Erfahrungsstands können schnell davon profitieren. Solche Routinen lassen sich leicht erlernen und in typische Situationen des Sports einbauen, etwa vor einem Wurf, Schlag oder einer schwierigen Bewegung. Sie helfen dabei, sich besser zu konzentrieren und unter Druck verlässlicher die Leistung abzurufen, zum Beispiel vor einem Freiwurf oder Elfmeter.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
In der Übersichtsarbeit können keine Angaben dazu gefunden werden, wie diese finanziert wurde.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine