Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Antecedents and Effects of Parasocial Relationships: A Meta-Analysis zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2020 veröffentlicht. Sie stammt von Riva Tukachinsky und zwei weiteren Forschenden von der Chapman University und der Northwestern University aus den USA.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Viele Personen hören Podcasts, schauen Serien oder konsumieren Social Media. Manchmal haben sie dann das Gefühl, die Podcaster, Figuren aus der Serie oder Influencer:innen zu kennen. Sie fühlen sich den Personen aus dem Medium nah oder verbunden. Die einseitige Beziehung, die zwischen den beiden Personen entsteht, heißt
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Trifft Theorie 1 zu: Parasoziale Beziehungen sind ein Ersatz für mangelnde soziale Kontakte? Oder trifft Theorie 2 zu: Parasoziale Beziehungen sind eine Erweiterung des normalen sozialen Umfelds?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien, in denen gemessen wurde, wie intensiv die Teilnehmenden
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden 120 Studien. Die meisten davon stammen aus westlichen Ländern. Die Studien wurden zwischen 1979 und 2019 veröffentlicht. Die Hälfte der Studien wurde nach 2012 veröffentlicht. Weitere Informationen über die Studien oder die Teilnehmenden lagen nicht vor.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 120 Studien schauten die Forschenden, ob die Daten eher die erste oder die zweite Theorie unterstützen. Für die erste Theorie untersuchten sie den Zusammenhang zwischen parasozialen Beziehungen und dem Mangel an sozialen Kontakten. Für die zweite Theorie untersuchten sie den Zusammenhang zwischen parasozialen Beziehungen und normalen Beziehungen. Zusätzlich untersuchten sie, welches Geschlecht die Teilnehmenden haben oder welche Merkmale die Person in den Medien hat.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Folgende Merkmale wurden unter anderem untersucht:
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Wie intensiv erleben die Teilnehmenden parasoziale Beziehungen?
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Merkmale eines Mangels an sozialen Kontakten
- Zum Beispiel: Wie einsam oder schüchtern sind die Teilnehmenden? Haben sie ein geringes Selbstbewusstsein?
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Merkmale von normalen Beziehungen
- Zum Beispiel: Wie attraktiv, sympathisch oder ihnen selbst ähnlich schätzen die Teilnehmenden die Person in den Medien ein?
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Merkmale der Teilnehmenden, wie zum Beispiel das Geschlecht
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Merkmale der Person in den Medien
- Ist die Person
erfunden oder gibt es sie in echt? - Interagiert die Person mit dem Publikum oder nicht?
- Ist die Person
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
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Parasoziale Beziehungen waren nicht mit einem Mangel an sozialen Kontakten verbunden. Die Korrelationen mit Einsamkeit, Schüchternheit oder niedrigem Selbstbewusstsein waren nicht bedeutsam. Das bedeutet, dass die Daten die erste Theorie nicht unterstützen.
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Je ähnlicher die Personen sich der Person aus den Medien schätzten und je attraktiver und sympathischer sie sie fanden, desto intensiver fühlten sich die parasozialen Beziehungen für sie an. Die
Korrelation r lag für Ähnlichkeit bei 0.52, für Sympathie bei 0.60 und für Attraktivität bei 0.51. Das sind mittelstarke bis starke Zusammenhänge. Das bedeutet, dass parasoziale Beziehungen Merkmale von normalen Beziehungen erfüllen. Die Daten unterstützen die zweite Theorie. -
Frauen erlebten intensivere parasoziale Beziehungen als Männer. Die Korrelation r betrug 0.05. Das ist ein sehr kleiner Zusammenhang.
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Ob die Personen aus den Medien erfunden war oder tatsächlich existierte, hatte keinen bedeutsamen Einfluss auf die parasozialen Beziehungen. Auch, ob die Person mit dem Publikum interagierte oder nicht, hatte keinen bedeutsamen Einfluss auf die parasozialen Beziehungen.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurde der Zusammenhang zwischen parasozialen Beziehungen und Merkmalen von sozialen Beziehungen untersucht. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es diese Zusammenhänge gibt. Man kann aber nicht sicher sagen, dass Merkmale von sozialen Beziehungen, wie Ähnlichkeit, Attraktivität oder Sympathie, auch parasoziale Beziehungen verursachen.
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
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Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
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Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden keine Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie nehmen deshalb an, dass der Zusammenhang zwischen parasozialen Beziehungen und Merkmalen von normalen Beziehungen tatsächlich ähnlich groß ist wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die meisten Studien stammen aus westlichen Ländern. Die Ergebnisse können daher nur schwer auf andere Kulturen übertragen werden. Außerdem gibt es Aspekte von parasozialen Beziehungen, die bisher nur selten untersucht wurden und deshalb von den Forschenden nicht berücksichtigt werden konnten.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Forschenden schlussfolgern, dass
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
In der Übersichtsarbeit können keine Angaben dazu gefunden werden, wie diese finanziert wurde.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine