Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Risk factors for (violent) radicalization in juveniles: A multilevel meta-analysis zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2020 veröffentlicht. Sie stammt von Julie Emmelkamp und drei weiteren Forschenden von der VU Amsterdam und der Universität Utrecht aus den Niederlanden.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Jugendliche, die sich
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Welche Risikofaktoren sind mit Radikalisierung bei Jugendlichen verbunden?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien, in denen
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden 25 Studien mit insgesamt 17 188 Jugendlichen. Im Schnitt waren die Jugendlichen 18 Jahre alt. Die Studien wurden zwischen 1995 und 2019 veröffentlicht. Die meisten Studien stammen aus Europa, gefolgt von Australien, den USA, Asien, dem mittleren Osten und Südamerika. Acht der Studien untersuchten religiöse Radikalisierung, neun der Studien untersuchten rechtsextreme Radikalisierung und in den restlichen acht Studien wurde die Richtung der Radikalisierung nicht näher beschrieben. Die Forschenden fanden keine Studie zu Risikofaktoren für linksextreme Radikalisierung.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 25 Studien schauten die Forschenden, welche Risikofaktoren mit Radikalisierung bei Jugendlichen verbunden waren. Sie schauten auch, ob dabei eine Rolle spielt, in welche Richtung sich die Jugendlichen radikalisiert haben.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Folgende Merkmale wurden untersucht:
-
Radikalisierung bei Jugendlichen
- Glauben die Jugendlichen, dass Radikalisierung gut ist?
- Würden sie extremistische Gewalttaten begehen?
- Haben sie bereits extremistische Gewalttaten begangen?
-
Mögliche Risikofaktoren für Radikalisierung, unter anderem:
- Kriminalität und Aggression
-
Aktivismus - Gefühl, dass die eigene Gruppe bedroht wird
- Gefühl, dass die eigene Gruppe anderen überlegen ist
- Gefühl, diskriminiert zu werden
- Distanz gegenüber anderen Menschen
- Gefühl, dass Machthaber zu Unrecht an der Macht sind
-
Die Richtung der Radikalisierung
- Rechtsextrem
- Religiös
- unbekannt
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
-
Je stärker die Jugendlichen
Aktivismus betrieben, je mehr sie das Gefühl hatten, ihre eigene Gruppe sei anderen überlegen und je mehr Distanz sie zu anderen Menschen fühlten, desto eherradikalisierten sie sich. DieKorrelationen r betrugen bei Aktivismus 0.48, bei gefühlter Überlegenheit der eigenen Gruppe 0.37 und bei der Distanz gegenüber anderen Menschen 0.30. Das sind mittelstarke Zusammenhänge. -
Je eher die Jugendlichen kriminelles und aggressives Verhalten zeigten, sich bedroht oder diskriminiert fühlten, oder das Gefühl hatten, dass Machthaber zu Unrecht an der Macht sind, desto eher radikalisierten sie sich. Die Korrelationen r betrugen bei Kriminalität und Aggression 0.27, bei gefühlter Bedrohung der eigenen Gruppe 0.22, bei Diskriminierung 0.23 und bei Unrechtmäßigkeit von Machthabern 0.21. Das sind kleine Zusammenhänge.
-
Die Richtung der Radikalisierung spielte bei den Zusammenhängen zwischen diesen Risikofaktoren und Radikalisierung keine Rolle. Das bedeutet, dass es keinen bedeutsamen Unterschied gemacht hat, ob sich die Jugendlichen rechtsextrem oder religiös radikalisierten oder die Richtung der Radikalisierung unbekannt war.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden die Zusammenhänge zwischen mehreren
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
-
Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
-
Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie nehmen deshalb an, dass die Zusammenhänge zwischen den Risikofaktoren und Radikalisierung bei Jugendlichen tatsächlich größer sind als in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken, dass es bisher nur wenige Studien zu dem Thema gibt. Außerdem konnten sie nicht untersuchen, ob Jugendliche sich eher radikalisieren, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen. Man weiß zum Beispiel nicht, ob es bei Jugendlichen, die in Armut leben und sich diskriminiert fühlen, noch wahrscheinlicher ist, dass sie sich radikalisieren, als bei Jugendlichen, die nicht in Armut leben und sich diskriminiert fühlen.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollen die Forschenden dazu beitragen,
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Erstellung der Übersichtsarbeit wurde nicht durch Dritte, zum Beispiel Stiftungen oder Unternehmen, finanziell gefördert oder unterstützt.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine