Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Crime and social cognition: a meta-analytic review of the developmental roots of adult criminal thinking zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2022 veröffentlicht. Sie stammt von Glenn D. Walters von der Kutztown Universität in Pennsylvania in den USA.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Forschende beschäftigen sich schon lange mit der Frage, warum Menschen Straftaten begehen. Bestimmte Gedanken und Einstellungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Manche Menschen rechtfertigen zum Beispiel Straftaten oder reagieren sehr
Forschungsfrage:
Mit seiner Übersichtsarbeit wollte der Forscher herausfinden: Hängen bestimmte Denkweisen von Jugendlichen über Straftaten mit kriminellem Verhalten zusammen?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Der Forscher suchte nach Studien, in denen untersucht wurde, wie kriminelles Verhalten damit zusammenhängt, wie Jugendliche über Straftaten denken. Die Jugendlichen mussten unter 21 Jahren alt sein und sich selbst einschätzen. Das kriminelle Verhalten sollte allgemein erfasst worden sein und sich nicht auf einzelne Probleme wie zum Beispiel Drogenkonsum beziehen.
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Der Forscher fand insgesamt 62 Studien aus den Jahren 1968 bis 2020, deren Ergebnisse er mit einer Metaanalyse zusammenfassen konnte. Insgesamt sind das Studienergebnisse von 50 558 Jugendlichen im Alter bis 21 Jahren, die überwiegend aus den USA und Europa stammten.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 62 Studien schaute der Forscher, wie stark bestimmte Denkweisen von Jugendlichen über Straftaten mit ihrem kriminellen Verhalten zusammenhängen.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Der Forscher untersuchte unter anderem folgende Merkmale:
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Kriminelles Verhalten
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Rechtfertigende Denkweisen
- Rechtfertigen von Straftaten
- Verharmlosen von Straftaten
- Erwartung, dass sich eine Straftat lohnt
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Unbedachte oder gefühlsgeleitete Reaktionen- Dazu neigen, anderen feindliche Absichten zu unterstellen
- Sehr ungeduldig sein und schnelle Belohnungen bevorzugen
- Spannung und Nervenkitzel suchen
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Selbstbild der Jugendlichen
- Glauben daran, Straftaten erfolgreich zu begehen zu können
- negative Zukunftsvorstellungen über sich selbst
- Annahme, von anderen als kriminell gesehen zu werden
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Merkmale der Jugendlichen
- Alter
- Geschlecht
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
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Rechtfertigende Denkweisen hingen mit dem kriminellen Verhalten der Jugendlichen zusammen. Die
Korrelation r betrug 0.34. Das ist ein mittelstarker Zusammenhang. Je stärker Jugendliche Straftaten rechtfertigten, verharmlosten oder als lohnend ansahen, desto häufiger zeigten sie kriminelles Verhalten. -
Unbedachte und gefühlsgeleitete Reaktionen hingen ebenfalls mit dem kriminellen Verhalten zusammen. Die Korrelation r betrug 0.25. Das ist ein kleiner Zusammenhang. Je stärker Jugendliche anderen feindselige Absichten unterstellten und nach Spannung oder Nervenkitzel suchten, desto häufiger zeigten sie kriminelles Verhalten. -
Auch das Selbstbild der Jugendlichen hing mit dem kriminellen Verhalten zusammen. Die Korrelation r betrug 0.24. Das ist ein kleiner Zusammenhang. Je stärker Jugendliche zum Beispiel glaubten, erfolgreich eine Straftat begehen zu können, desto häufiger zeigten sie kriminelles Verhalten.
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Das Alter und Geschlecht der Jugendlichen beeinflussten diese Zusammenhänge nicht bedeutsam.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden Zusammenhänge zwischen Denkweisen der Jugendlichen und ihrem kriminellen Verhalten beobachtet. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es diese Zusammenhänge gibt. Man kann aber nicht sicher sagen, ob die Denkweisen das kriminelle Verhalten verursachen oder ob es zum Beispiel auch umgekehrt ist. Etwa, dass Jugendliche, die häufiger Straftaten begehen, diese auch eher verharmlosen.
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
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Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
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Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Der Forscher fand keine Hinweise auf solche Verzerrungen. Er nimmt deshalb an, dass die Zusammenhänge zwischen den Denkweisen der Jugendlichen über Straftaten mit dem kriminellen Verhalten tatsächlich ähnlich groß sind wie in seiner Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Der Forscher gibt zu bedenken: Zu manchen untersuchten Merkmalen lagen nur wenige Studien vor. Zudem unterschieden sich die Studien teilweise stark voneinander, zum Beispiel hinsichtlich der verwendeten Messinstrumente. Auch wurden die untersuchten Merkmale vom Forscher selbst den Kategorien zugeordnet. Das könnte die Ergebnisse beeinflusst haben.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Bestimmte Denkweisen hängen mit kriminellem Verhalten zusammen. Diese sind durch Unterstützungsangebote für Jugendliche jedoch veränderbar. Zum Beispiel durch Angebote, in denen Jugendliche lernen, ihre Impulse besser zu kontrollieren, Ausreden für Fehlverhalten zu hinterfragen und ein positives Selbstbild zu entwickeln.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
In der Übersichtsarbeit können keine Angaben dazu gefunden werden, wie diese finanziert wurde.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Der Forscher macht keine Angaben dazu, ob bei ihm ein